Bildungspunks: Technische Grundausstattung – was gehört dazu?

Unter dem Motto „Technische Grundausstattung – was gehört dazu?“ rufen die Bildunspunks im September 2017 auf, sich an ihrer Blogparade zu beteiligen. Konkret geht es dabei um die Ausstattung an Schulen.

Voran sei gesagt, ich bin kein Lehrer und unterrichte somit nicht an einer Schule. Doch als Teil der Lehrerbildung an der Ruhr-Uni interessiert mich dieses Thema natürlich brennend. Die Ankündigung von Bildungsministerin Johanna Wanka, für die digitale Infrastruktur an Schule im gesamten Bundesgebiet 5 Milliarden Euro bereitstellen zu wollen, ist im vergangenen Jahr an keinem vorbeigegangen. Nun wissen wir alle wie diese Geschichte weitergegangen ist, und dass keiner weiß, wann und ob überhaupt dieses Geld zur Verfügung steht. Die Bundestagswahl in 10 Tagen wird eventuell ein erster Fingerzeig sein, wohin die Reise geht.

Unabhängig von der finanziellen Frage kann man sich natürlich – zumindest hypothetisch – seine Wunschausstattung für ein Klassenzimmer zusammenstellen. Ich gehe dabei nicht nur auf die technische Ausstattung ein, sondern auch auf die Infrastruktur an Schulen.

Dabei beginne ich meinen Wunschzettel aber nicht mit der technischen Ausstattung. Flexibler Unterricht, der auf die Schülerinnen und Schüler zugeschnitten ist, braucht ein flexibles Klassenzimmer, sprich flexible Möbel. Dementsprechend gibt es in meinem Wunschklassenzimmer roll- und klappbare Tische, leicht zu stapelnde Stühle und viele kleine, leicht zu verstauende Sitzgelegenheiten, z.B. quadratische Sitzhocker. Dazu kommen analoge Whiteboards, die bis auf eines frei bewegbar sind.

Nun aber zur technischen und infrastrukturellen Ausstattung:

  1. Gutes und schnelles WLAN.
  2. Ein interaktives Präsentationsmedium, vorzugsweise ein interaktives Whiteboard mit min. 85“ und einem LCD-Bildschirm statt Über-Kopf-Beamer. An das Whiteboard wird zudem eine Dokumentenkamera angeschlossen.
  3. Statt eines stationären Rechners in jedem Raum, wird jede Lehrerkraft mit einem Arbeitslaptop sowie einem Tablet ausgestattet.
  4. Die SuS haben ihr eigenes, mobiles Endgerät, welches über die Schule günstig und zentral erworben werden kann. Statt in Schulbücher investieren Eltern und Schüler in Tablets. Die SuS besitzen zudem einen fürs Tablet geeigneten Stift sowie Kopfhörer. (In meiner Utopie sind alle mit einem iPad Pro ausgestattet)
  5. Mobile Endgeräte und interaktives Whiteboard werden über Apple TV, Chromecast o.ä. gekoppelt.
  6. Die Länder und Schulministerien stellen allen Lehrkräften ein OER-Pool mit Materialien, Texten und Aufgaben zur Verfügung. Die Lehrkräfte stellen die Materialien über eine Schulcloud oder ein LMS zur Verfügung. Neu erstellte Materialien werden als OER in den Pool eingespeist.
  7. Lehrkräfte und SuS erhalten eine Schul-ID sowie eine schuleigene E-Mailadresse, die sie zur Registrierung bei Apps, Software und Plattformen verwendet werden kann.
  8. Pflege und Wartung sämtlicher digitaler Systeme werden zentral von IT-Experten vorgenommen. Keine Lehrkraft sollte dies nebenbei machen müssen.
  9. Verpflichtende, regelmäßige Weiterbildungen für alle Lehrkräfte.

Wenn ich mir diese Punkte noch einmal ansehen, dann sind viele gar nicht so schwer umzusetzen, wenn sich Bund, Länder und Kommunen einmal konsequent zusammensetzen würden. Schlimm finde ich daran, dass insbesondere die Punkte 1, 3, 7-9 selbstverständlich für fast jedes mittelständisches Unternehmen sind.

CC BY-SA 4.0 Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

4 Kommentare

  1. Ich bin mir einfach nicht sicher (diplomatisch formuliert), ob die „Gadgetisierung von Pädagogik und Didaktik“ wirklich das Gebot der Stunde ist in Sachen Bildung. Dadurch integrieren wir digitale Technik & Medien in ein völlig veraltetes Denksystem von Bildung, das junge Menschen womöglich überhaupt nicht mit jenen Phänomenen konfrontiert, die dem Digital Age tatsächlich entsprechen. Wir rüsten einfach die Reservate technisch hoch, dabei würde Bildung ja 2017+ bedeuten, dass wir mit ihnen rausgehen auf Expedition, statt dass wir sie zuerst mühsam an didaktischen Hickhack gewöhnen, und sie sich dann wiederum sehr mühevoll selber in Digitalien auswildern. Deshalb sage ich: Diese Strategie einer „Technologischen Aufrüstung“ ist kontraindiziert und verlängert die Ablösung des längst überholten Bildungssystems.

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Deinen Ansatz geht für mich in die Richtung Bildungsrevolution, spannend. In meinen Augen ist dies aber nur möglich, wenn die Entscheider, in diesem Fall vor allem die Schulministerien, die KMK, Lehrer- und Elternverbände, an einem Strang ziehen und Veränderung herbeiführen wollen. Meine bisherigen Erfahrungen machen mich diesbezüglich eher skeptisch. Daher ist mein persönlicher Ansatz, was kann ich tun, damit sich das Bildungssystem ändert. Ich kann mit Lehramtsstudierenden arbeiten, Online- und Präsenzfortbildungen initiieren, mich mit anderen lehrerbildenen Standorten und Schulen austauschen. Dies ist eindeutig eine Strategie von Unten. Ich habe es dabei mit vielen sehr kritischen und skeptischen Menschen zu tun, was Bildungsreformen/-revolutionen und auch digitale Medien angeht. Daher versuche ich einen niederschwelligen Ansatz, dem man durchaus auch als „Gadgetisierung“ bezeichnen kann.
      Wenn sich aber eine realistische Chance bietet, das Bildungssystem, wie wir es kennen, auf den Kopf zu stellen, dann bin ich gerne vorne mit dabei.

  2. Du hast vergessen, Klassen aufzulösen, Fächer aufzulösen, Zensuren abzuschaffen und 50% der „Lehrer“ aus der Arbeitswelt zu nehmen, anstelle von theoretischer Lehrkräfte.
    Ich würde die „Lehrer“ auch generell nicht mehr so nennen. Eher Lernbegleiter oder Mentoren.
    Das heißt nicht das heutige Lehrer entlassen werden müssten, sondern viel mehr, dass das aktuelle Defizit an Lehrkräften mit Praktikern aus der Arbeitswelt aufgefüllt werden sollte.
    Anstelle der Fächer und Klassen kann man recht einfach Gruppen bilden für verschiedene Projekte. So sind Kinder im Alter gemischt, können sich leicht unterstützen und haben am Ende echte Bildung durch die Projekte.

    Also letztendlich das was jede Freilerner Familie seit Jahren mit ihren Kindern macht. Zu Tausenden..

    VG Christian

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