Rückblick: 2. IFS-Bildungsdialog

Am 21.9. veranstaltete das Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund den 2. IFS-BIldungsdialog, in diesem Jahr mit dem Thema „Digitalisierung der schulischen Bildung – Chancen und Herausforderungen“. Ich durfte den gesamten Tag dabei sein. Vorweg sei gesagt, dass ich die Tagung, insbesondere die Auswahl der Redner/innen und der breit gefächerten Themen, sehr gelungen fand.

Ich will hier nicht die komplette Tagung wiedergeben, euch aber an einigen meiner Eindrücke und Gedanken teilhaben lassen. Das Programm ist im Übrigen hier einzusehen: Programm – IFS-Bildungsdialog

Im Überblicksvortrag zeigt Frau Prof. Dr. Eickelmann der Universität Paderborn auf, wie weit Deutschland im europäischen Vergleich bei der Digitalisierung in der Schule hinterher hinkt. Wenn überhaupt sind wir im Mittelfeld angesiedelt. Dies sorge dafür, dass wir bereits eine komplette Schülergeneration verloren hätten und nun Gefahr liefen, die Nächste zu verlieren: „Die Schülerinnen und Schüler lernen trotz Schule.“ Gerade in der Lehrerbildung hätten wir viel Nachholbedarf. Dies kann ich nur bekräftigen, auch wenn wir an der RUB erste Schritte in die richtige Richtung gehen. Nach Frau Eickelmann müssen wir uns aber dringend Gedanken machen, wie wir Lern- und Unterrichtformen/-prozesse in naher Zukunft verändern bzw. neugestalten wollen.

Im Anschluss stellte Dr. Heike Schaumburg, HU Berlin, ihre (Meta-) Metastudie vor, in der sie die Wirksamkeit digitaler Medien untersuchte. Wer sich mit digitalen Medien auseinander setzt, weiß um die Problematik, dass Studien häufig keinen bzw. nur geringe Effekte beim Einsatz messen. Dies stellt gerade für uns Überzeugungstäter ein Problem dar. Große Zeitungen (z.B. Süddeutsche oder Focus) greifen diese Studien natürlich gerne auf. Frau Schaumburg stellte auf gute Art und Weise dar, welche Probleme diese Studien haben, da sie häufig digitale Medien nur undifferenziert betrachten und viele Störfaktoren außer Acht lassen. Wenn ein Lehrer nicht mit einem interaktiven Whiteboard (IWB) umzugehen weiß, dann sei es wenig überraschend, dass die Benutzung desselbigen im Unterricht keinen Effekt auf die Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler habe. Ich bin gespannt, die Ergebnisse in einer demnächst erscheinenden Publikation en détail lesen zu können.

Im November erscheinen die Ergebnisse der Lehrer-Befragung zur IT-Ausstattung der Schulen. Frau Dr. Lorenz, TU Dortmund, stellte erste Ergebnisse vor. Interessant fande ich vor allem zwei Aspekte: Viele Lehrer empfinden die IT-Ausstattung ihrer Schule als ausreichend gut und über 86% wünschen sich eine stärke Fokussierung auf digitale Medien in der Lehrer(aus-)bildung. Letzteres ist ein klarer Appell an alle lehrerbildenen Stätten sich endlich dem Thema ganzheitlich und konsequent zu nähern. Zu einem ähnlichen Schluss war ja bereits Prof. Eickelmann gekommen. Die Zufriedenheit der Lehrer mit der IT-Ausstattung ist dagegen auf den ersten Blick irritierend. Stellt dies Johanna Wankas Digitalpakt D in Frage? Ich glaube nicht. Der quantitative Ansatz der Studie, die Verteilung der Antworten und meine eigene Erfahrung führen zu einem ganz anderen Schluss: Viele Lehrer wissen überhaupt nicht, wie eine gute IT-Infrastruktur aussehen könnte. So antworteten knapp 80%, dass sie mit dem schulischen Internetanschluss zufrieden sein. Aber nur 34% gaben an, dass ihre Schule mit WLAN ausgestattet sei. Für mich ist dies ein klarer Widerspruch. Ein Herr aus dem Publikum stütze meine Vermutung durch seinen Wortbeitrag. Er selbst habe eine qualitative Befragung bei Lehrern durchgeführt und habe durch die Interviews erfahren, dass das IT-Knowhow vieler Lehrkräfte ausbaufähig sei.

Bei der gesamten Tagung haben die Programmplaner auf eine gute Mischung von theoretischen Vorträgen und Beispielen aus der Praxis geachtet. Interessanter Weise sprachen mich diesmal die theoretischen Beiträge deutlich mehr an und ich konnte aus ihnen mehr gewinnbringende Informationen herausziehen. Für mich persönlich war vor allem der Vortrag der Medienberatung NRW enttäuschend, gerade weil der Titel „lernförderliche IT-Infrastrukturen“ interessante Einblicke versprach. Leider wurde bis auf einige Schlagwörter (Glasfaser) und eine kurze Bring your own device-Diskussion wenig Konkretes genannt. Es wurde mehr ein Loblied auf die eigene Arbeit (Medienpass NRW, learnline) und die Tätigkeiten der Landesregierung (gute Schule 2020, logineo) gesungen. Noch nie stünde so viel Geld für (digitale) Bildung zur Verfügung. Dass sich viele Schulträger und Kommunen im Bereich Schulsanierung und Digitalisierung von der Landesregierung allein gelassen fühlen, dass die Medienberatung die Fortbildungsanfragen der Schulen thematisch und terminlich nicht erfüllen kann, und dass zwei Milliarden Euro aus dem Programm ‚Gute Schule 2020‘ 40 Jahre Investitionverweigerung in Bildung nicht gut machen können, wurde eher unter den Tisch gekehrt.

Am Nachmittag standen die Risiken der Digitalisierung im Vordergrund, ehrlich gesagt nicht mein Lieblingsthema. Prof. Pfetsch, TU Berlin, und Herr Knothe, Fachverband Medienabhängigkeit e.V., gaben aber einen sehr interessanten Einblick in die Thema Cyberbulling und Sexting sowie in die therapeutische Beratung von Mediensüchtigen. Für mich stellte sich besonders die Frage, wie wir mit diesen Themen in der Lehrerbildung umgehen wollen/werden. Ich will mir in diesem Zuge die von Herrn Knothe kurz vorgestellte Broschüre Let´s play: Methoden zur Prävention von Medienabhängigkeit genauer ansehen.

Die abschließende Podiumsdiskussion rundete die Tagung ab, brachte für mich persönlich aber kaum neue Erkenntnisse. Die Ankündigung von Herrn Gottwald, KMK, dass alle optimistisch seien, dass der Digitalpakt D bis Ende des Jahres stehe, ließ aber deutlich aufhorchen.

Und so konnte ich mich mit vielen interessanten Eindrücke auf den Heimweg machen.

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